Ausstellung „Inter folia: Die verborgenen Geschichten der Bücher“
Im Lesesaal für Seltene Bücher und Handschriften der Martynas-Mažvydas-Nationalbibliothek Litauens wird die Ausstellung „Inter folia: Die verborgenen Geschichten der Bücher“ präsentiert. Sie lädt dazu ein, ein Buch nicht nur als Text, sondern als materielles Objekt zu betrachten, das Spuren der Zeit ansammelt. Jedes Buch bewahrt mehr als das, was darin geschrieben steht. Zwischen seinen Seiten finden sich vergessene Briefe, getrocknete Blumen, Zeichnungen, Eintrittskarten, Entschuldigungen für verspätete Rückgaben und manchmal auch Dokumente. Diese Funde machen ein Buch zum Zeugen des Alltags — zu einem Objekt, das Menschen durch ihre persönlichen Geschichten begleitet hat. Die Ausstellung zeigt das Buch auch als recyceltes Objekt. In einem Werk aus dem 17. Jahrhundert wurden nicht weniger als 46 Fragmente älterer Bücher entdeckt, darunter ein Blatt eines Inkunabels, illustriert in der Werkstatt des berühmten deutschen Grafikers und Malers Albrecht Dürer (1471–1528). Daneben befinden sich Fragmente einer Perikopensammlung des Jesuiten Georg Elger (ca. 1585–1672) mit lettischen Textteilen, die zur Verstärkung des Einbands eines handgeschriebenen Büchlins verwendet wurden. In einem einzigen Band begegnen sich hier verschiedene Epochen, Sprachen und Meister. Lesespuren erzählen individuelle Geschichten: Einträge, Widmungen und hier — eine Notiz der aktiven Gesellschafts- und Kulturaktivistin Marija Piaseckaite-Šlapelienė (1880–1977), in der sie festhält, dass sie dieses Buch zur Erinnerung behält. Das Buch wird nicht nur zur Lektüre, sondern zum Ort der Erinnerung. Ein weiterer Teil der Ausstellung offenbart das Buch als Versteck — einen Ort, an dem Geld, Dokumente und Stammbäume aufbewahrt wurden. Daneben finden sich Kinderzeichnungen, Fotografien, religiöse Bilder und getrocknete Pflanzen. Dies ist ein Raum, in dem Text und Alltag aufeinandertreffen. Ein gesondertes Segment ist den Büchern eines Benediktinerinnenklosters gewidmet. Die darin gefundenen Objekte enthüllen die Lesepraxis und den Umgang mit dem Buch in einer geschlossenen religiösen Gemeinschaft — zurückhaltend, aber tiefgründig. „Inter folia“ lädt dazu ein, das Buch als vielschichtiges Kulturobjekt neu zu denken, dessen Geschichte nicht nur in der Druckerei, sondern auch zwischen den Seiten entsteht — dort, wo Text und Mensch aufeinandertreffen. Die Ausstellung ist vom 18. Mai bis zum 4. Juli im Lesesaal für Seltene Bücher und Handschriften (5. Etage) der Nationalbibliothek zu besichtigen. Öffnungszeiten des Lesesaals: Montag–Freitag 10:00–19:00 Uhr Samstag 10:00–18:00 Uhr Kuratorinnen der Ausstellung: Justyna Sadovska, Agnė Suchodolskytė; Ausstellungsgestalter: Jokūbas Zovė.
Adresas: Lietuvos nacionalinės Martyno Mažvydo bibliotekos retų knygų ir rankraščių skaitykla
Zurück zu Veranstaltungen...