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DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY || Stück für Erwachsene

Der irische Schriftsteller Oscar Wilde war bekannt für seinen Charme und seine Extravaganz – sowohl in seinem Werk als auch in seinem Leben voller Ästhetizismus. Im Alter von 34 Jahren veröffentlichte er das Buch „Der glückliche Prinz und andere Märchen“ – seither wurde er zu einem bekannten Autor. Sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“, erstmals 1890 veröffentlicht, ist gewissermaßen ebenfalls in der Form eines Märchens geschrieben. Doch diesmal ist der Inhalt erheblich düsterer... Und es ist kaum verwunderlich, dass nach seiner Veröffentlichung ein Skandal ausbrach: Man forderte ein Verbot und die Verurteilung des Autors wegen der Propagierung eines unmoralischen Lebensstils. Das Kreativteam der Inszenierung „Das Bildnis des Dorian Gray“ besteht aus bekannten Puppentheater-Künstlerinnen, deren gemeinsame Arbeit dem Publikum des Theaters „Lėlė“ bereits vertraut ist: Das 2014 von G. Radvilavičiūtė gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Renata Valčik, der Choreografin Sigita Mikalauskaitė und der Komponistin Rita Mačiliūnaitė geschaffene Stück „Der Sandmann“ gewann das Goldene Bühnenkreuz, ist erfolgreich im Repertoire des Theaters und wird regelmäßig eingeladen, die litauische Kultur auf internationalen Theaterfestivals zu vertreten. Das neue Stück setzt gewissermaßen das in „Der Sandmann“ begonnene Thema der Dualität der menschlichen Persönlichkeit und ihrer Selbstzerstörung fort. „Beim Betrachten eines Bildes tritt der Mensch in eine andere Zeit ein. Die Zeit weitet sich aus. Im Porträt erkennt der Mensch sich selbst. Das Betrachten eines Porträts ist wie das Schauen in einen Spiegel. Der Spiegel bietet dem Menschen die einzigartige Möglichkeit, sich selbst zu sehen – sein Gesicht, seine Augen – und schafft die Voraussetzung für einen Dialog mit sich selbst. Beim Blick nach außen sieht der Mensch sein Inneres. Beim Blick in den Spiegel kann der Mensch in eine andere Welt geraten. Und diese zwei Welten können sich berühren. Im Spiegel können wir sehen, was unserem direkten Blick sonst verborgen bleibt. Die Tiefe des Spiegels sagt uns, dass wir weit mehr oder ganz anders sehen können, als wir in unserer Realität wahrnehmen. Der Spiegel ist unser persönliches Porträt der Gegenwart. Heute umgeben den Menschen sehr viele Spiegel, d. h. reflektierende Oberflächen – von echten Spiegeln und Fenstern bis hin zu Seen und Pfützen, Schneeflocken, Stücken Steinkohle usw. Sie alle erzeugen Risse im sichtbaren Gefüge der Welt der Dinge – gleichsam Fenster in eine andere Welt. Doch übermäßige Konzentration auf sich selbst und das eigene äußere Erscheinungsbild ist der Weg zur Eitelkeit, Selbstverliebtheit, Arroganz, Überheblichkeit und Egozentrismus. Ohne Liebe, nahestehende Menschen, das gemeinsame Gehen sind Schönheit und Erfolg bedeutungslos. Ein Leben, in dem man ständig nur auf sich selbst schaut, ist kein schönes Leben. Noch heute glauben manche Urvölker, dass ein Spiegel die Seele stehlen kann.“ – Gedanken der Regisseurin Gintarė Radvilavičiūtė.

Adresas: Vilniaus teatras „Lėlė“

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