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Die imaginäre Oper „Jūratė“ von M. K. Čiurlionis

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875–1911) verstand sehr genau das Gewicht und die Bedeutung der Gattung Oper im gesamten kulturellen Feld. Im Januar 1906 schrieb er seinem Bruder Povilas (und das noch vor der ersten nationalen Oper – „Birutė“ von Mikas Petrauskas): „Kennst du die litauische Bewegung? Ich bin entschlossen, alle meine bisherigen und zukünftigen Arbeiten Litauen zu widmen. Wir lernen Litauisch, und ich bereite mich darauf vor, eine litauische Oper zu schreiben.“ So hob der Komponist die Oper als eine besonders bedeutsame Ausdrucksform der nationalen musikalischen kulturellen Identität hervor. Der Gedanke, eine litauische Oper zu schaffen, wurde für M. K. Čiurlionis zu einem konkreten Vorhaben, nachdem er die junge Schriftstellerin Sofija Kymantaitė kennengelernt hatte, die später seine Frau wurde. Bis zum Sommer 1908 stand bereits auch die Thematik der Oper fest. Grundlage der Oper sollte die Legende „Die Königin der Ostsee“ sein, die um 1830 von Liudvikas Adomas Jucevičius geschaffen wurde – einem Vertreter der litauischen Schrifttumsgeschichte, Ethnografen, Volkskundler, Literaten, Historiker und Übersetzer. Die erhaltenen Bühnenbildskizzen von M. K. Čiurlionis sowie der Briefwechsel über das von Sofija erarbeitete Libretto belegen eindeutig, dass diese Version der Legende über die Liebe von Jūratė und Kastytis zugrunde gelegt wurde. Aus dem Briefwechsel wissen wir, dass Sofija das Libretto fertiggestellt und nach Sankt Petersburg geschickt hatte, wo sich Konstantinas zu jener Zeit aufhielt. Wir wissen auch, dass der Komponist dort viel Zeit am Klavier mit dem Libretto verbrachte, auf der Suche nach dem Klang von „Jūratė“. Über die musikalische Sprache und die szenischen Absichten der künftigen Oper schrieb Konstantinas an Sofija, nachdem er sich mit dem Libretto vertraut gemacht hatte: „‚Jūratė‘ gefällt mir mit jedem Mal besser, und schon heute habe ich ein wenig Musik darin gehört. Zose, Zose, gib mir Rat. Soll ich darin Volksmelodien vermeiden oder nicht? Soll ich technische Schwierigkeiten berücksichtigen oder nicht? Denn wenn man bedenkt, wie arm unsere Leute sind und wie wenig sie besitzen, tut es mir leid, dass auch diese Arbeit an ihnen vorbeigehen wird, während doch gerade Du und ich ihnen etwas geben wollen. Du verstehst mich, Zosele, dass ich mir keine Zugeständnisse machen, sondern mir eine schwerere Aufgabe stellen möchte. Ich möchte, dass man es sogar in Warschau aufführen kann, und mit der Zeit auch in Wilna, aber bis dahin wird noch viel Wasser den Fluss hinabfließen.“ Aus den Briefen wird deutlich, dass der Komponist bereits eine klare und detaillierte Vision vom Beginn der Oper und der ersten Szene hatte – die Reihenfolge des Auftretens der Figuren, den Aufbau der Opernnummern, die Abfolge des Einsatzes der Chorstimmen und ähnliche Details –, doch all dies blieb letztlich weder ausgeschrieben noch in Notenform erhalten. In den Jahren 1906–1909, als der Komponist die Möglichkeiten zur Schaffung der Oper erwog, offenbaren die überwiegend in Skizzenform erhaltenen Werke Čiurlionis' jener Zeit eine sehr vielfältige und feinsinnige künstlerische Welt des Komponisten, in der marinistische Bildmotive und Verflechtungen von Volksliedfragmenten dominieren, die von für jene Zeit sehr mutigen kompositorischen Strategien zeugen. Diese Skizzen und Fragmente verraten, wie tief Čiurlionis in die geplante litauische Oper „Jūratė“ eingetaucht war. Auf der Grundlage dieser Skizzen und Fragmente, der in den Briefen der Čiurlionis' festgehaltenen Ideen und der Bühnenbildskizzen sowie unter Einsatz von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz (KI) zur Erzeugung musikalischen Materials hat ein umfangreiches kreatives Team die imaginäre Oper „Jūratė“ von M. K. Čiurlionis geschaffen – einen Traum, den Konstantinas selbst nicht mehr verwirklichen konnte. Die Oper erzählt die Legende von der Meeresherrscherin Jūratė, deren Bernsteinpalast auf dem Grund der Ostsee liegt. Jūratė verliebt sich in einen Menschen von der Erde – den mutigen und einfachen Fischer Kastytis, der sich dem Willen der Götter widersetzt und in heiligen, den Menschen verbotenen Meeresgewässern fischt. Die Götter, allen voran der mächtige Perkūnas, geraten in Zorn über die verbotene Liebe zwischen der göttlichen Königin und einem sterblichen Menschen. Er schleudert Blitze auf Jūratės Bernsteinpalast, zerschmettert ihn und trennt die Liebenden. Kastytis ertrinkt im stürmischen Meer, und Jūratė wird dazu verdammt, ewig um ihre verlorene Liebe zu weinen und Bernsteintränen an die Küste der Ostsee zu spülen. Čiurlionis wollte allerdings, dass seine Oper ein für Interpretationen offenes Werk sei und vielleicht von der ewigen Liebe zeuge, weshalb, wie er es vorgesehen hatte, im Finale der imaginären „Jūratė“ das „Ewige Duett“ erklingt. Die imaginäre Oper „Jūratė“ von M. K. Čiurlionis wurde für die Bühne des Alten Theaters Wilna und den kompakten Orchestergraben dieses Theaters geschaffen. Dieser Raum wurde nicht zufällig gewählt. Denn

Adresas: Vilniaus senasis teatras

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