Marius von Mayenburg „MÄRTYRER“ (Regie: Agnius Jankevičius)
Das Stück wird in russischer Sprache mit litauischen Untertiteln aufgeführt Marius von Mayenburgs „Märtyrer“ wurde und wird an zahlreichen europäischen Theatern inszeniert. Das Stück erzählt die Geschichte des Teenagers Benjamin, der von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen wird. Als Benjamins Mutter erfährt, dass ihr Sohn Probleme in der Schule hat, denkt sie zuerst an Drogen. Doch der Junge ist auf einer ganz anderen „Nadel“ gelandet – der Bibel. Der Schüler findet in der Heiligen Schrift alle Antworten und macht sie zu einem Werkzeug, um seine Mitmenschen zu quälen und zu terrorisieren. Benjamin glaubt, als Einziger zu wissen, was gut und was schlecht ist. Dies führt zu Konflikten, Konfrontationen und psychologischen Kämpfen. In der Schule erklärt er der Verderbtheit den Krieg. So weigert er sich beispielsweise, am Schwimmunterricht im Pool teilzunehmen, weil Mädchen im Bikini seine religiösen Gefühle verletzen. Und das ist erst der Anfang. Der Dramatiker M. von Mayenburg schrieb „Märtyrer“ im Jahr 2012 und inszenierte das Stück im selben Jahr selbst an der Berliner Schaubühne. Das Stück, das aus 27 kurzen und prägnanten Szenen besteht, erinnert an ein Drehbuch. Sein Themenfeld ist breit gefächert und hochaktuell: Es beleuchtet den Kampf der Ideen, die Rolle von Extremismus und Religion in der Gesellschaft und offenbart die Widersprüche, die Spaltung und die Gefahr des Fanatismus in der westlichen Gesellschaft sowie deren Korrelation mit der Religion. Das Stück zeigt die völlige Fassungslosigkeit von Erwachsenen und der Gesellschaft im Umgang mit christlichem Radikalismus. Theaterkritiker vergleichen die Wirkung des Stücks mit der Explosion einer Handgranate – der Text demaskiert Neoliberalismus, politische Korrektheit und Toleranz und kritisiert offen die Vorurteile, die junge Köpfe verführen. In „Märtyrer“ werden der Wahnsinn und die Leidenschaften der sexuellen und sozialen Reifung nicht zufällig mit religiösem Eifer gleichgesetzt. Der Theaterkritiker Andrius Jevsejevas, der gleich drei Inszenierungen von M. von Mayenburgs „Märtyrer“ im Jahr 2015 in Litauen, Lettland und Polen rezensierte, betont, dass Benjamin Südel keine Kompromisse eingeht, ständig Unruhe stiftet und sich in Konflikte mit seiner alleinerziehenden Mutter, seinen Mitschülern...
Adresas: Vilniaus senasis teatras
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