Porträt eines Galeristen – wie entsteht und entwickelt sich heute eine Galerie?
Eine zeitgenössische Kunstgalerie nimmt heute zahlreiche Rollen an – sie ist nicht nur ein Raum für Kunsterlebnisse und Verkauf, sondern auch eine Plattform für Gespräche, Ideen, ein Vermittler zwischen Künstlern und unterschiedlichen Publika, der sich aktiv am zeitgenössischen Kunstdiskurs beteiligt. Obwohl Galerien in unterschiedlichen geografischen und kulturellen Kontexten tätig sind, entwickelt jede von ihnen ein eigenes Betriebsmodell, das nicht nur von wirtschaftlichen Umständen, sondern auch von der Persönlichkeit der Galeristen, ihren Werten sowie einer langfristigen kuratorischen oder persönlichen Vision geprägt wird. Untrennbar mit ihren Galerien verbunden, schaffen Galeristen Raum und Beziehungen, gehen Risiken ein und lassen den Wert des kulturellen Kapitals wachsen. In der Diskussion werden wir erörtern, wie Galeristen heute Galerienetzwerke aufbauen, wie diese zur Gestaltung eines breiteren Kunstdiskurses beitragen und welche Verantwortung sie übernehmen, wenn sie ein lebendiges Kunstmarktumfeld pflegen und sich in das internationale Ökosystem der zeitgenössischen Kunst einbringen. Diskussionsteilnehmerinnen: Olga Temnikova – Mitbegründerin und Inhaberin der Galerie „Temnikova & Kasela“ in Tallinn, Kunstsammlerin, außerdem gemeinsam mit Margot Samel Mitbegründerin der Kunstmesse „Esther“ in New York. Die 2010 gegründete Kunstgalerie „Temnikova & Kasela“ ist eine der aktivsten Galerien im Baltikum. Die Galerie vertritt Künstler, deren Werke auf der Biennale von Venedig präsentiert wurden und die sich in internationalen Museumssammlungen befinden. Berta Zubrickaitė – Kuratorin, die seit mehr als einem Jahrzehnt im Bereich der zeitgenössischen Kunst tätig ist. Sie hat sowohl im kommerziellen als auch im öffentlichen Kunstsektor des Vereinigten Königreichs Erfahrung gesammelt. Derzeit ist B. Zubrickaitė Direktorin der Londoner Galerie „Edel Assanti“, verantwortlich für die Strategie zur Künstlerentwicklung, das Ausstellungsprogramm und institutionelle Partnerschaften. Zuvor arbeitete Berta bei „Somerset House“ und „Frieze“. Sie hat einen Master in Kuratorenwesen vom Goldsmiths, University of London, sowie einen Bachelor in Kunstkritik und Kuratorenwesen vom Central Saint Martins College. Berta schreibt außerdem regelmäßig die Kolumne „Kunsttagebuch“ in der Zeitschrift „Lamų slėnis“. Agnieszka Fąferek – in Mailand lebende Galeristin, Gründerin und Direktorin der Galerie eastcontemporary. Ihre berufliche Erfahrung umfasst Theater, Musik und bildende Kunst. 2020 gründete sie in Mailand eastcontemporary – zunächst als gemeinnützigen Projektraum, 2021 entwickelte sie ihn zu einer Galerie für zeitgenössische Kunst weiter. Fąferek versteht die Galerie als dynamische Plattform für junge internationale Künstler und interkulturellen Dialog, mit besonderem Augenmerk auf Kreative aus Mittel- und Osteuropa. Das Programm der Galerie präsentiert experimentelle und forschungsbasierte Praktiken, die Skulptur, Installation, Textilkunst, neue Technologien, Videokunst und Performance umfassen. Die Galeristin verbindet Ausstellungen mit öffentlichen Programmen, Partnerschaften mit Institutionen und langfristiger Förderung von Künstlern. Im Rahmen des Galerieprogramms stellte Fąferek dem italienischen Publikum zahlreiche internationale Künstler vor und organisierte deren erste Einzelausstellungen. Darunter – Anastasia Sosunova, Pakui Hardware, Barbara Wesołowska, Eliška Konečná, Aziza Kadyri, Slavs and Tatars und andere. Die Diskussion moderiert: Justė Kostikovaitė – in Vilnius lebende Kuratorin, die in ihrer Arbeit durchlässige Formate zwischen Institutionen, Künstlerresidenzen sowie Empowerment- und Kollektivkuratierungsinitiativen erforscht. Gemeinsam mit Laima Kreivytė und Eileen Myles schuf sie die Performance „Gimbutas Street Band“, die bei der „Performance Art Biennial VB23“ in Vilnius präsentiert wurde. 2022 kuratierte Justė das Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung „Goddesses and Warriors: 100 Years to Marija Gimbutas“ im Litauischen Nationalmuseum. Gemeinsam mit Merilin Talumaa kuratierte sie die Ausstellung sowie das Programm für Performances und Screenings „Dryads of Cosquer“ (2024) in Marseille, präsentiert bei „Art-O-Rama“, „La Traverse“ und in den Räumen des FRAC Sud. 2025 kuratierte sie gemeinsam mit Egla Mikalajūnė die internationale Ausstellung des Litauischen Nationalmuseums „Rave Nation: Dancing to the Sounds of Freedom 1992–2004“. Justė ist Mitbegründerin des Kunst-Marktplatzes „Art&Potatoes“ sowie Kuratorin der Ausstellungen „Noise Portals“ und „Mouths“ von Vilte Fuller im Jahr 2026.
Adresas: Galerija „Drifts”
Kaina: Nemokamai
