
Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ ist eines der bekanntesten Werke des dänischen Märchendichters und ein weltweiter Klassiker der Kinderliteratur. Das Märchen von der Reise des Mädchens Gerda auf der Suche nach ihrem Bruder Kai wurde vielfach an verschiedenen Theatern inszeniert und verfilmt. Obwohl H. C. Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ bereits 1993 am Vilniuser Theater „Lėlė“ aufgeführt wurde (Regie und Bühnenbild: Vitalijus Mazūras), geben die originellen Ideen des Produktionsteams den Anstoß, sich dem Werk erneut zuzuwenden.
Nach Ansicht der Regisseurin Nijolė Indriūnaitė birgt Andersens Märchen Fragen, die für jede Generation junger Zuschauer relevant sind: Was bildet die Grundlage zwischenmenschlicher Beziehungen? Wie ist das Aufeinandertreffen von Leben und Tod zu betrachten? Wo liegt die Hoffnung, die so notwendig ist, um eine neue Qualität des Miteinanders zu schaffen? In der Geschichte der Hauptfiguren des Märchens – der Schwester Gerda und des Bruders Kai – stellen sich diese Fragen, als die Kinder die Fähigkeit verlieren, einander aufrichtig zuzuhören, und den Zweifeln und dem Schmerz des anderen keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Gerdas Reise nach Lappland, in das Land der Schneekönigin, um dort ihren Bruder zu finden und nach Hause zurückzubringen, ist laut Nijolė Indriūnaitė eine Reise, „auf der Glaube und Liebe in der inneren Welt des Kindes gepflegt werden“.
„Im litauischen Wort ‚tikėjimas‘ (‚Glaube‘) erkennen wir einen verschlüsselten Hinweis auf eine konkrete Handlung, mit deren Hilfe sich innerer Frieden wiederherstellen lässt: ‚tik - ėjimas‘ (‚nur - Gehen‘) – die Handlung, die Gerda vorantreibt und sie die Hoffnung nicht verlieren lässt“, überlegt N. Indriūnaitė. Sie betont, dass die Aufführung den Ausdrucksformen des Schatten- und des visuellen Theaters viel kreativen Raum gibt, wodurch sich ein assoziatives, mehrdeutiges Bedeutungsfeld der Inszenierung entfalten kann.
In der Inszenierung spielen die Darsteller nach den Prinzipien des Schattentheaters; Leinwände unterschiedlicher Größe kommen zum Einsatz, Projektionen werden gezeigt, ebenso Puppen unterschiedlicher Formen und Macharten (Scherenschnitte, geschnitzte Schattenfiguren mit strukturierter Oberfläche), Masken und plastisch gestaltete Papierobjekte. Das Bühnenbild entsteht mithilfe von Prinzipien der Filmästhetik: der Montage verschiedener Einstellungsgrößen und Bilder sowie einer expressiven Dynamik der Objektbewegungen. „Wir möchten, dass die kleinen Zuschauer in eine eigenständige visuelle Welt eintauchen, voller Traum- und Visionsbilder, die sich wie eine Erinnerung entfaltet“, sagt die Bühnenbildnerin Aušra Bagočiūnaitė Paukštienė.
Datum
30. Dezember 2026
Ort
Vilniaus teatras „Lėlė“
Preis
nuo 3.62 €