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Tanzaufführung "Sofija" | Im Schatten des Genies

Was empfindet eine ehrgeizige Frau, die für immer im Schatten ihres Mannes — eines Genies — bleiben soll? Das Ensemble Lietuva präsentiert eine Uraufführung — das Tanzspektakel Sofija, das mit einem mutigen Blick das (Un)erwartete und vielleicht oft Verschwiegene zum Leben erweckt. Das M.-K.-Čiurlionis-Jahr widmet dem bedeutendsten Werk und der beeindruckenden Biografie des Künstlers große Aufmerksamkeit — und genau das hat das Kreativteam zu einem entgegengesetzten Ansatz inspiriert: einer einfühlsamen und offenen Begegnung mit seiner größten Muse, Sofija Kymantaitė-Čiurlionienė. Es ist an der Zeit, den Blick auf eine Frau zu richten, die Čiurlionis am besten verstanden, seinen Genius am tiefsten gespürt hat. Eine Frau, die unserer Meinung nach zu Unrecht im Schatten ihres Mannes geblieben ist, deren Beitrag zu Unrecht vergessen wurde. Sofija — eine Frau, die durch alle Windungen des Lebens standgehalten hat und viele Rollen in sich vereinte. Ihre Liebe, ihr Kampf, ihre Entschlossenheit und Hingabe sind schlicht inspirierend. Als ich ihre Biografie erforschte, wurde mir klar, wie viel sie durchmachen musste, und diese Erfahrungen werden auch das Publikum zum Nachdenken anregen und provokante Fragen aufwerfen, sagt Regisseurin und Chefchoreografin des Ensembles Lietuva, Aušra Krasauskaitė. Die neue Produktion wird durch die Sprache der Bewegung und Symbole die vielschichtige Persönlichkeit von Sofija Kymantaitė-Čiurlionienė hervorheben — besonders ihre weniger bekannten Seiten, ihre intimsten Wendepunkte und Wandlungen. Was bedeutet es, mit einem Genie zu leben? Wie überlebt man die psychische Erkrankung eines geliebten Menschen? Welchen Sinn hat es, für jede Erinnerung an den eigenen Mann zu kämpfen? Wie viel kann Liebe aushalten — Armut, Ablehnung? Wie viele Rollen kann eine Frau in sich tragen? Čiurlionis ist einer der faszinierendsten litauischen Künstler, dessen Leben, Werk und Gedanken es ermöglichen, nicht nur in eine eigentümliche Kunstphilosophie über die ewige Unvollständigkeit eines Werkes einzutauchen, sondern auch eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit einer starken Frau zu bewundern: Sofija Kymantaitė. Aktive Förderin litauischer Identität, Aktivistin, Schriftstellerin, eine der ersten Literatur- und Theaterkritikerin. Sofija Kymantaitė-Čiurlionienė — Lehrerin, Muse, Geliebte, Ehefrau, Pflegerin, Mutter seines Kindes, die wichtigste Bewahrerin und Verbreiterin von Čiurlionis' Werk. Nach dem Tod ihres geliebten Mannes blieb Sofija Witwe, verwandelte den Verlust in den Motor ihres Lebens und folgte der Liebe bis zum Ende. Dass wir uns heute in Čiurlionis' Werk vertiefen können, ist allein Sofijas beharrlicher Hingabe zu verdanken. Čiurlionis wirbelte ihr Leben wie ein Wirbelsturm durcheinander, diktierte ihr aber durch seinen frühen Tod eine klare Richtung, erzählen die Schöpfer. Sofija engagierte sich bereits mit 21 Jahren politisch und nahm aktiv an der litauischen Frauenbewegung teil. Sie war die erste Pfadfinderin und die einzige Frau als litauische Vertreterin im Völkerbund. Sie brachte Čiurlionis Litauisch bei. Für die Rettung von Juden wurde sie mit der Gedenkmedaille der Gerechten unter den Völkern ausgezeichnet sowie 1999 mit dem Kreuz zur Rettung der Sterbenden. Bemerkenswert ist, dass sie stets zuerst den Nachnamen ihres Mannes und dann ihren Mädchennamen schrieb: S. Čiurlionienė-Kymantaitė. Die Handlungslinie entwickelt ein weiteres aktuelles Thema: Burnout durch Anspannung, mangelnde Anerkennung und den enormen Druck, den eigenen Wert beweisen zu müssen — bis zur psychologischen Erschöpfung. Bekanntlich erlitt Čiurlionis in seinen letzten Lebensjahren einen Nervenzusammenbruch und wurde im Sanatorium Pustelnik bei Warschau behandelt. Wahrscheinlich handelte es sich um eine schwere Depressionsform oder Schizophrenie. Die Krankheit unterbrach seine Kreativität genau dann, als er seinen reifen Werken am nächsten war. Sofija berichtete, dass Čiurlionis oft nachts malte oder Musik schrieb, wie in einer kreativen Ekstase — manchmal arbeitete er tagelang ohne Pause. Das zehrte weiter an seiner Gesundheit. Das Tanzspektakel stützt sich intensiv auf das musikalische und künstlerische Erbe von M. K. Čiurlionis. Čiurlionis' Werk zeichnet sich durch eine einzigartige Synthese von Musik und bildender Kunst aus. Biografische Fakten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Choreografie wird von klassischem, neoklassischem und zeitgenössischem Tanz geprägt; dynamische Massenszenen wechseln mit Duetten und Solosätzen ab. Zeitgenössische Choreografie, durchwebt von Ethno-Motiven und bereichert durch litauische Volksgebräuche, stärkt die geschaffenen Bilder. Das Bühnenbild schöpft Inspiration aus M. K. Čiurlionis' Gemälden. Im Spektakel erklingt zeitgenössisch arrangierte Musik von M. K. Čiurlionis sowie Musik des Komponisten Mindaugas Urbaitis und der Gruppe Happyendless. Regisseurin und Choreografin A. Krasauskaitė ist Laureatin des Goldenen Bühnenkreuzes und der Dankbarkeitsmaske, schafft an

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