
Nach Motiven des Romans Gesichter von Tove Ditlevsen
TRUKDIS
Aus dem Dänischen übersetzt von Aurelija Bivainytė
Schauspiel in zwei Teilen (ab 16 Jahren)
Voraussichtliche Dauer: 1 Stunde 50 Minuten (mit Pause)
Premiere: 19. März 2026
Regie: Justinas Vinciūnas
Dramaturgie: Gabrielė Česevičiūtė
Bühnenbild: Erminas Mikšys
Kostüme: Leo Domas Sanz Čekuolis
Komponist: Natas Kunas
Lichtdesign: Julius Kuršys
Regieassistenz: Simona Ševčenkaitė
Mitwirkende:
LISĖ MUNDUS – Dovilė Šilkaitytė
GERTAS / ARZT – Tomas Stirna
GITĖ – Indrė Patkauskaitė
ZWERG – Daumantas Ciunis
NADIA / STRICKENDE FRAU – Jūratė Brogaitė
TECHNIKER – Tomas Kliukas, Domas Urbonavičius.
„Trukdis“ fragt: Was geschieht, wenn ein Mensch in einer Welt, in der alles eigenen Regeln, klaren Erwartungen und Verhaltensprinzipien folgt, seiner Sensibilität und Intuition folgt?
Diese Frage stellt Justinas Vinciūnas, einer der markantesten und interessantesten Theaterregisseure der jüngeren Generation. 2025 wurde er mit dem Goldenen Bühnenkreuz als bester Nachwuchskünstler ausgezeichnet. Zu seiner künstlerischen Laufbahn gehören zwei Inszenierungen nach Werken von Nobelpreisträgern für Literatur, ein Stück nach afrikanischer Dramatik und eine Arbeit nach einer journalistischen Chronik.
Im kreativen Prozess wurden die Biografie von Tove Ditlevsen, einer der markantesten Stimmen der dänischen Literatur, sowie Motive ihres Romans Gesichter (1968) untersucht. Diese Elemente bildeten den kreativen Ausgangspunkt und gaben mit ihren Themen die dramatische Achse des Stücks vor.
Im Mittelpunkt steht Lisė Mundus, eine Künstlerin, die von der sie umgebenden Realität erschöpft ist. Sie spürt, wie die Welt um sie ins Schwanken gerät und sich in ihrer Konkretheit der Absurdität nähert. Lisė sucht nach einem Riss – einem Raum, in dem die Anspannung, „jemand sein zu müssen“, der ersehnten Ruhe weicht: dem Gefühl, genug zu sein, ohne ständige Bewertung oder den Druck eines fremden Bewusstseins. Doch jeder Schritt in die Freiheit hat seinen Preis. Meist ist es der Mensch an unserer Seite.
In dieser Inszenierung gewinnen die Romanfiguren Eigenständigkeit: Sie lösen sich vom Handlungsrahmen von Gesichter, geraten in verschiedene Situationen oder teilen Gedanken, die im Roman unausgesprochen bleiben. Die Inszenierung entsteht daher als Spiel, in dem eine Figur die Grenzen ihrer eigenen Worte überschreitet. Auch der autobiografische Charakter des Romans verwischt die Grenze zwischen Autorin und geschaffener Figur. Dieses Element wurde auch in der Inszenierung zentral: Die Grenze zwischen Figur und Darsteller wird sichtbar unbestimmt. Daraus entsteht eine eigenwillige Theatersprache, die beinahe aus Alltagssituationen geformt ist und die unter der sichtbaren Realität verborgene Sehnsucht nach Freiheit erkennbar macht.
„Trukdis“ lädt das Publikum zur Diskussion ein: Welchen Preis hat die Treue zu den eigenen Wahrheitsprinzipien? Ist das Vertrauen in die eigene Sensibilität eine schöpferische oder zerstörerische Kraft? Und ist das, was uns in uns selbst als Hindernis erscheint, vielleicht eine Möglichkeit, die irgendwo auf dem Weg verlorene Lebensfreude neu zu entfachen?
2025 gewann das Stück die „DramaTest Residency“, die Plattform des Staatlichen Kleinen Theaters Vilnius für moderne Dramaturgie und die Suche nach neuen Bühnenformen.
In Dänemark wurde Tove Ditlevsens Roman Gesichter vom Verlag Gyldendal herausgegeben; die Rechte vertritt die Gyldendal Group Agency.
Datum
25. September 2026
Ort
LMTA Teatro ir šokio fakultetas, Vilnius