
Carlo Oswaldo Goldoni
VASAROTOJŲ KARŠTINĖ
Komödie in zwei Teilen
Premiere: 24.–26. September 2026
Regie – Gabrielė Tuminaitė
„Die Welt ist ein Buch, aus dem ich am meisten gelernt habe“, schrieb einer der größten Meister der italienischen Dramatik, Carlo Goldoni. In seinem Werk sprüht und strömt diese Welt mit ungeahnter Kraft aus den Menschen, ihren Gesprächen und Alltagssituationen. Mit einfachen, echten, überzeugenden und leicht verständlichen Geschichten schildert C. Goldoni menschliche Beziehungen von innen, entfaltet sie in all ihren Schattierungen und macht sie zu einer Metapher für die Welt selbst. Im XVIII. Jahrhundert, voller ungewisser Zukunftsaussichten und durchdrungen von unerklärlicher Grausamkeit, als man ahnte, dass Europa bald einen Wendepunkt erleben würde, der das Gesicht der Gesellschaft für immer veränderte, blieb C. Goldoni zutiefst menschlich. Er konnte die Menschen mit Liebe und Wärme für sich einnehmen, selbst wenn er sie scharf kritisierte. Mit seinem Werk seiner Zeit voraus, erfasste der Dramatiker den Zustand des modernen Menschen und dessen Sorgen und hob die Bedeutung einer Frau hervor, die an ihrer tief verwurzelten traditionellen Rolle in der Gesellschaft zweifelte. Diese Meisterschaft zeigt sich besonders deutlich in der großartigen „Vasarotojų trilogija“ mit drei Stücken: „Vasarotojų karštinė“, „Vasarotojų nuotykiai“ und „Po vasarojimo grįžus“.
In diesem Herbst präsentiert Regisseurin Gabrielė Tuminaitė am Vilniusser Kleinen Theater den ersten Teil der Trilogie, „Vasarotojų karštinė“. Livornas. Die Figuren bereiten fieberhaft ihre Abreise in die Sommervillen auf dem Land vor. Im Mittelpunkt steht Leonardass Eifersucht auf seine Verlobte Džiačinta, um die auch der junge Guljelmas wirbt. In ihrer verzweifelten Hast missachten sie finanzielle und moralische Normen; die Figuren sind von Eitelkeit besessen. Sie hoffen, sich in den Villen, an diesem magischen „Anderswo“, als Menschen zu verwirklichen und die Probleme, vor denen sie fliehen, würden sich von selbst lösen. Doch bald wird deutlich, dass das Problem viel tiefer liegt: Sie sind völlig unfähig, ihr Leben zu bewältigen, das mit voller Geschwindigkeit auf den Abgrund zurast. Während die Figuren unentwegt zwischen Angst, Eifersucht, Wutausbrüchen und Gereiztheit schwanken, steigert sich das Tempo ohne Unterlass und die Dynamik bis zum Wahnsinn. Wie besessen von dieser allgemeinen Evakuierung lassen sie ihr eigenes Haus-Theater vermüllt, geplündert und verwüstet zurück und eilen anderswohin, an einen „besseren“ Ort, in der Hoffnung, zu werden, was ihnen versprochen wurde: talentierter, schöner und anerkannter.
Carlo Goldoni (1707–1793) war ein venezianischer Dramatiker und Regisseur, der mehr als hundertfünfzig Stücke schrieb. Er nahm sich einer damals scheinbar unmöglichen Aufgabe an: ein italienisches Theater zu schaffen, das in ganz Europa Anklang finden und allen nahe sein sollte. Am Ende der Ära der commedia dell’arte begann er, den Schauspielern die Masken abzunehmen und die Bedeutung des Textes hervorzuheben. So brachte er die geschriebene Dramatik zurück auf die Theaterbühne. Zu Lebzeiten nicht angemessen gewürdigt, verließ er Italien und verarmte schließlich völlig; man hielt ihn nur für den Autor mittelmäßiger Komödien. Im XX. Jahrhundert erlebte er eine Wiederentdeckung: Bedeutende italienische Theaterregisseure – L. Visconti, G. Strehler, L. Ronconi und andere – brachten seine Werke nacheinander auf die Bühne, und skeptische Theaterleiter mussten anerkennen, dass der vor zwei Jahrhunderten tätige Künstler aktueller war denn je. Heute zählt C. Goldonis Werk zu den größten Dramen der Welt, und die Italiener bezeichnen den Autor als „Galilei der neuen Literatur“.
Die „Vasarotojų trilogija“ ist ein monumentales Werk, nicht nur wegen ihrer mathematisch ausgefeilten Dramaturgie, sondern vor allem wegen ihrer poetischen, reifen Schreibweise und ihrer nahezu filmischen Präzision. Vor einigen Jahren nahm der angesehene Verleger und Redakteur M. Billington die Trilogie in seine Liste der 101 größten und einflussreichsten Theaterstücke der Welt auf, die in The Guardian veröffentlicht wurde.
In den kommenden Jahren wird das Theater gemeinsam mit Partnern dem Publikum die gesamte überraschungsreiche Trilogie vorstellen, die auf den Bühnen als drei eigenständige Inszenierungen zu sehen sein wird.
Team
Aus dem Italienischen übersetzt von – Karilė Mozerytė, Dainius Būrė
Regisseur der zweiten Besetzung – Karolis Zajauskas
Schauspielcoach – Lucian Roman
Bühnen- und Kostümbild – Youlian Tabakov
Komponist – Vygintas Kisevičius
Lichtdesign – Audrius Jankauskas
Probenübersetzerin – Ieva Frigerio
Regieassistenten – Andrius Merkevičius, Simona Ševčenkaitė, Vaidas Jaruševičius
Chorleiter – Tadas Šumskas
Es spielen
Filipas, ein alter, lebensfroher Bürger – Mindaugas Capas
Džiačinta, Filipass Tochter – Alvydė Pikturnaitė / Laura Marija Rinkevičiūtė
Leonardas, Džiačintas Verehrer – Lukas Malinauskas / Mindaugas Činčys
Viktorija, Leonardass Schwester – Greta Bendžė
Ferdinandas, ein Taugenichts und Müßiggänger – Saulius Ambrozaitis
Guljelmas, Džiačintas Verehrer – Mantas Bendžius / Klaudijus Matijošaitis
Fuldžencijus, ein älterer Freund Filipass – Almantas Šinkūnas / Arvydas Dapšys
Paolas, Leonardass Butler – Tomas Stirna / Rokas Siaurusaitis
Bridžida, Džiačintas Dienstmädchen – Ieva Gribauskaitė / Radvilė Budrytė
Čekas, Leonardass Diener – Kyrylo Kremenchuk
Bertas, Leonardass Diener – Vilius Kalasūnas
Kostanca – Ilona Kvietkutė
Sabina, Džiačintas alte Tante – Jūratė Brogaitė / Rasa Jakučionytė
Tonjinas, ein einfältiger junger Mann, der in Rozina verliebt ist – Kyrylo Kremenchuk
Rozina, Kostancas Nichte – Ieva Gribauskaitė
Sommerfrischler – Jūratė Brogaitė, Rasa Jakučionytė, Ilona Kvietkutė, Nojus Mikalauskas, Ieva Gribauskaitė, Radvilė Budrytė, Saulė Rašimaitė, Sibilė Zavadskytė, Laura Marija Rinkevičiūtė u. a.
Datum
25. September 2026
Ort
Valstybinis Vilniaus mažasis teatras, Vilnius